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Von der Frau, die nachts im Schlafzimmer Sport machte

Wenn mich heute jemand beim Krafttraining sieht, denkt er vermutlich, Sport hätte schon immer zu meinem Leben gehört.

Die Realität könnte kaum weiter davon entfernt sein.

Zwischen 2003 – kurz vor meinem Abitur – und Mai 2022 habe ich praktisch keinen Sport gemacht.

Mein Alltag bestand aus Arbeit, Haushalt und später meinem Kind. Für mich selbst blieb nichts übrig. Ich fühlte mich müde, ausgelaugt und irgendwann einfach nicht mehr wohl in meinem eigenen Körper.

Dabei ging es mir nie darum, einem Schönheitsideal hinterherzulaufen. Ich wollte mich einfach wieder gesund, stark und wohlfühlen.

Jahre im Überlebensmodus

Nach der Geburt meines Kindes rückte ich selbst komplett in den Hintergrund.

Mein Kind schlief tagsüber und nachts fast ausschließlich auf oder direkt an mir. Sobald ich aufstand, war die Wahrscheinlichkeit groß, dass es wieder wach wurde.

Tagsüber pumpte ich zusätzlich dreimal Muttermilch ab, nachts stillte ich voll.

Zeit für mich gab es praktisch nicht.

Unterstützung bekam ich dabei kaum. Während ich versuchte, den Alltag irgendwie zu bewältigen, saß mein damaliger Mann lieber auf der Couch, anstatt mich einmal abzulösen oder mir die Möglichkeit zu geben, mich zu bewegen oder einfach kurz durchzuatmen.

Sport war in dieser Lebensphase schlicht unmöglich.

Nicht, weil ich keine Motivation hatte.

Sondern weil ich keine Gelegenheit dazu bekam.

Meine Ernährung bestand aus Kohlenhydraten

Bewegung bedeutete damals im Schnitt gerade einmal 3.000 Schritte pro Tag.

Meine Ernährung bestand gefühlt zu 90 % aus Kohlenhydraten.

Gemüse? Kaum.

Eiweiß? Spielte für mich überhaupt keine Rolle.

Ich aß, was schnell ging und satt machte.

Rückblickend versorgte ich meinen Körper mit allem – nur nicht mit dem, was er wirklich brauchte.

Die Entscheidung

Im Mai 2022 traf ich eine Entscheidung.

Nicht ab Montag.

Nicht nach dem Urlaub.

Nicht, wenn irgendwann einmal Zeit wäre.

Sofort.

Ich begann, meine Ernährung umzustellen und meine Kalorien mit YAZIO zu tracken. Mein Ziel waren zunächst rund 1.400 kcal täglich.

Ein Fitnessstudio kam nicht infrage.

Also suchte ich nach einer Lösung.

Mein erstes "Fitnessstudio" war das Schlafzimmer

Nachdem mein Kind eingeschlafen war, stellte ich mich nachts neben das Bett.

Im dunklen Schlafzimmer.

Barfuß.

Und lief einfach auf der Stelle.

Anfangs nur wenige Minuten.

Mit jeder Woche etwas länger.

Als ich merkte, dass mein Kind dabei weiterschlief, kamen erste Übungen dazu:

  • Sit-ups

  • Kniebeugen

  • Planks

  • Übungen mit dem eigenen Körpergewicht

So begann meine Fitnessreise.

Nicht mit perfekten Bedingungen.

Sondern mit den einzigen Bedingungen, die ich hatte.

Wissen verändert alles

Im Januar 2023 stieß ich auf die 90-Tage-Challenge von Sjard Roscher (Quantum Leap Fitness).

An der eigentlichen Challenge konnte ich leider nie teilnehmen.

Zu dieser Zeit arbeitete ich, war alleinerziehend, steckte mitten im Umzug und musste zusätzlich die alte Wohnung renovieren und entrümpeln.

Zeit war ein Luxus.

Trotzdem verschlang ich alles, was mit Ernährung, Muskelaufbau und Trainingslehre zu tun hatte.

Zum ersten Mal verstand ich,

  • warum Eiweiß so wichtig ist,

  • weshalb Krafttraining so effektiv ist,

  • warum Diäten meistens scheitern,

  • und dass die Zahl auf der Waage längst nicht alles aussagt.

Dieses Wissen hat meine Sicht auf Ernährung komplett verändert.

Gemeinsam statt allein

Mit der Zeit machte Bewegung sogar Spaß.

Ich begann regelmäßige TikTok-Livestreams unter dem Namen Sportlich Vital Viral.

Wir trainierten gemeinsam, motivierten uns gegenseitig und hatten einfach Freude daran, uns zu bewegen.

Niemand musste perfekt sein.

Es ging nur darum, anzufangen.

Irgendwann kaufte ich meine ersten Widerstandsbänder.

Später folgten Hanteln.

Aus ein paar Übungen im Schlafzimmer wurde echtes Krafttraining.

Die Waage erzählt nicht die ganze Geschichte

Anfangs verlor ich Gewicht.

Später stieg es wieder.

Früher hätte mich das frustriert.

Heute weiß ich, dass mehr Gewicht nicht automatisch etwas Schlechtes bedeutet.

Muskeln wiegen mehr als Fett.

Viel wichtiger war für mich, dass ich stärker wurde, mich gesünder fühlte und endlich wieder Energie hatte.

Meine Entwicklung verlief nie geradlinig.

Es gab Fortschritte.

Es gab Rückschläge.

Es gab Phasen, in denen das Leben wichtiger war als Training.

Und genau das ist völlig normal.

Dann kam die Pause

Ab Dezember 2025 musste ich mein Krafttraining erneut pausieren.

Das Leben hält sich eben nicht an Trainingspläne.

Trotzdem war diesmal etwas anders.

Ich wusste, dass ich jederzeit wieder anfangen kann.

Denn ich musste nicht mehr beweisen, dass ich diszipliniert sein kann.

Ich hatte es bereits geschafft.

Warum ich das alles erzähle

Ich bin keine Fitnesstrainerin.

Ich bin keine Influencerin.

Ich bin einfach eine Frau, die jahrelang dachte, sie hätte keine Zeit für Sport.

Heute weiß ich:

Man braucht keine perfekten Voraussetzungen.

Keine teuren Geräte.

Kein Fitnessstudio.

Man braucht nur den Mut, den ersten Schritt zu machen.

Meiner begann nachts, barfuß, im dunklen Schlafzimmer neben dem Bett meines schlafenden Kindes.

Und genau deshalb werde ich nie wieder sagen:

"Ich fange irgendwann an."

Denn das "Irgendwann" kann heute sein.

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