
Manche Tiere sucht man sich aus. Andere finden einen.
Mausi gehörte zu den Letzteren.
Gemeinsam mit sieben Geschwistern wurde sie als winziges Kitten in einem Karton auf einem Feld am Kaiserstuhl ausgesetzt. Einfach entsorgt.
Zum Glück wurden alle acht Katzenbabys rechtzeitig gefunden und ins Tierheim Scherzingen gebracht.
Eigentlich war ich damals gar kein Katzenmensch. Doch nachdem ich von Dezember 2007 an über sieben Monate lang die beiden Katzen einer Bekannten betreut hatte, merkte ich, wie leer und still die Wohnung ohne Tiere war. Ein Hund kam wegen meiner langen Arbeitszeiten nicht infrage, also begann ich nach zwei Katzen zu suchen, die gemeinsam vermittelt werden sollten.
Im Tierheim Scherzingen waren inzwischen bereits sechs der acht Kitten vermittelt worden.
Übrig geblieben waren nur noch zwei.
Pünktchen und ihr Bruder Anton – oder einfach Toni.
Für mich stand sofort fest, dass ich die beiden nicht trennen würde.
Am Juli 2008 durften sie schließlich bei mir einziehen.
Was ich damals noch nicht ahnte: Mit Mausi zog vermutlich die verrückteste, intelligenteste und witzigste Katze ein, die ich jemals kennenlernen durfte.
Eine Katze mit Hundesoftware
Mausi war keine gewöhnliche Katze.
Sie apportierte Haargummis wie ein Hund. Man musste sie nur durchs Zimmer schnipsen und wenige Sekunden später brachte sie sie voller Stolz wieder zurück.
Sie konnte die Kommandos „Sitz“ und „Aus“ und verstand erstaunlich viel von dem, was man ihr sagte.
Von Anfang an kümmerte sie sich außerdem rührend um ihren Bruder Toni. Als sie noch ein kleines Kitten war, schnappte sie ihn sich regelmäßig und putzte ihn ausgiebig – ob er wollte oder nicht.
Später waren die beiden unzertrennlich.
Die Copycat
Jedes Mal, wenn ich etwas scannen oder kopieren wollte, war Mausi sofort zur Stelle.
Der Scanner gehörte schließlich ihr.
Während der Drucker arbeitete, saß sie oben drauf und überwachte gewissenhaft, dass auch alles ordnungsgemäß funktionierte.
Den Spitznamen „Copycat“ hatte sie sich damit mehr als verdient.
Die Bankräuberin
Mausi hatte ein ungewöhnliches Hobby.
Sie klaute Geld.
Immer wieder verschwanden Geldscheine spurlos aus der Wohnung.
Bis heute sind sie nie wieder aufgetaucht – nicht einmal nach mehreren Umzügen.
Vielleicht hatte sie irgendwo ein geheimes Nummernkonto in der Schweiz.
Oder sie hat das Geld heimlich für andere Dinge verprasst.
Einen besonders dreisten Raubzug startete sie bei unserer Versicherungsmaklerin.
Während deren Handtasche offen neben ihr stand, bediente sich Mausi kurzerhand selbst.
Zum Glück erwischte ich sie noch auf frischer Tat und zog die Geldscheine wieder aus ihrer Tasche.
Die Versicherungsmaklerin schaute mich völlig ungläubig an, als ich erklärte:
„Ja… meine Katze klaut Geld.“
Amazon-Shopping
Auch vor Online-Shopping machte sie offenbar nicht Halt.
Eines Tages lag plötzlich eine Lieferung von Amazon vor der Tür.
Der Inhalt?
Eine Schwimmweste.
Für Menschen.
Bis heute weiß ich nicht, wie sie das geschafft hat.
Die Schwimmweste war am Ende sogar besser als die, die mein damaliger Mann zuvor bestellt hatte.
Facebook kann sie auch
Selbst Computer waren vor Mausi nicht sicher.
Während ich nicht zu Hause war, lag sie wie so oft auf meinem Laptop.
Kurze Zeit später bekam mein damaliger Mann über den Facebook Messenger eine Nachricht von meinem Account.
Sie bestand nur aus einem einzigen Wort:
„Pppppppoooooo“
Die Nachricht kam nachweislich von meinem Laptop.
Ich war gar nicht zu Hause.
Bis heute bin ich überzeugt, dass sie meinen Ex-Mann ganz bewusst beleidigt hat.
Ordnung muss sein
Dreckige Kleidung konnte Mausi überhaupt nicht leiden.
Blieb irgendwo getragene Wäsche liegen, erinnerte sie uns sehr deutlich daran, sie endlich wegzuräumen.
Ihre bevorzugte Methode:
Sie pinkelte darauf.
Die Botschaft war eindeutig.
Verliebt
Besonders angetan hatte es ihr mein guter Freund Andi.
Wenn er zu Besuch war, saß sie minutenlang vor ihm und schaute ihn mit ihren riesigen Eulenaugen verliebt an.
Als das offenbar nicht ausreichte, stahl sie ihm kurzerhand eine schmutzige Unterhose aus seiner Reisetasche und wälzte sich genüsslich darauf.
Peinlich?
Für uns schon.
Für Mausi offenbar überhaupt nicht.
Der Brotkorb
Eines Morgens suchten wir sie überall.
Nach einiger Zeit fanden wir sie endlich.
Eingerollt im Brotkorb.
Auf frisch aufgebackenen Brötchen.
Direkt neben dem Brotmesser.
Für sie war das offensichtlich der bequemste Schlafplatz der ganzen Wohnung.
Unsere kleine Chaosqueen
Mausi brachte uns jeden einzelnen Tag zum Lachen.
Sie war frech.
Sie war neugierig.
Sie war unfassbar intelligent.
Sie hatte ihren ganz eigenen Kopf und schaffte es immer wieder, Dinge zu tun, auf die vermutlich keine andere Katze gekommen wäre.
Sie war eben einfach Mausi.
Der schwerste Abschied
Am 26. Juli 2025 änderte sich alles.
Innerhalb weniger Stunden mussten wir eine Entscheidung treffen, auf die niemand vorbereitet sein kann.
Beim Tierarzt stellte sich heraus, dass Mausi einen riesigen Tumor an der Bauchspeicheldrüse hatte.
Als wir dort ankamen, war dieser bereits geplatzt.
Es gab keine Möglichkeit mehr, ihr zu helfen.
Wir mussten sie noch am selben Tag gehen lassen.
Sie hinterließ eine Lücke, die bis heute niemand schließen konnte.
Doch gleichzeitig hinterließ sie unzählige Erinnerungen, über die wir noch immer lachen müssen.
Eine Katze, die Haargummis apportierte.
Die Geld klaute.
Die Scanner überwachte.
Die Amazon-Bestellungen aufgab.
Die Facebook-Nachrichten verschickte.
Die Toni putzte.
Und die unser Leben siebzehn Jahre lang jeden Tag ein kleines bisschen verrückter und gleichzeitig wunderschöner machte.
Mach's gut, meine kleine Chaosqueen. ❤️
Für immer in meinem Herzen.