Eigentlich fing alles 2023 mit TikTok an.

 

Ich kam mit einem User ins Gespräch, der selbst ADHS hat und darüber erzählte. Je mehr er berichtete, desto öfter dachte ich: „Irgendwie kommt mir das alles verdammt bekannt vor.“

 

Das passte auch zu meiner damaligen Situation. Im Job bekam ich plötzlich Dinge nicht mehr auf die Reihe, die vorher problemlos funktioniert hatten. Ich konnte mich kaum noch konzentrieren, vergaß ständig, was meine Chefin mir gerade gesagt hatte, und hatte teilweise das Gefühl, ich könnte nicht einmal mehr eins und eins zusammenzählen.

 

Der TikTok-Kontakt empfahl mir daraufhin den ADHS-Test auf adxs.org. Mein Ergebnis war auffällig hoch. Also dachte ich mir: Vielleicht sollte ich das tatsächlich einmal abklären lassen.

 

Kurz darauf wurde ich krankgeschrieben und bekam über die 116117 einen Termin bei einer Psychotherapeutin. Nach ungefähr einer halben Stunde stand für sie allerdings fest: Burnout.

 

ADHS konnte sie nicht diagnostizieren. Sie sagte mir, dafür müsse ich zu jemandem, der sich damit auskennt. Nur: Wer das sein sollte, konnte mir damals auch niemand wirklich sagen.

 

Und ich war zu diesem Zeitpunkt so erschöpft und durch den Wind, dass ich schlicht nicht die Kraft hatte, mich noch monatelang selbst durch das Gesundheitssystem zu kämpfen.

 

Gruppentherapie, Tagesklinik und Reha

 

Von November 2023 bis etwa März/April 2024 war ich in einer Gruppentherapie.

 

Gebracht hat sie mir letztlich nicht wirklich etwas.

 

Auch die Tagesklinik 2025 änderte daran wenig. Dort sprach ich das Thema ADHS erneut an und bat ausdrücklich um eine Diagnostik. Schließlich wurde dort sogar mit Fragebögen gearbeitet, die erneut entsprechende Auffälligkeiten zeigten.

 

Die Antwort war allerdings wieder: Eine ADHS-Diagnose könne man bei mir nicht stellen. Mein Burnout sei noch zu ausgeprägt und ich müsse dafür zu einem Spezialisten.

 

Nur konnte mir wiederum niemand sagen, wer dieser Spezialist eigentlich sein sollte.

 

Währenddessen begann die Diagnostik eines Familienmitgliedes, sodass das Thema alleine dadurch schon immer präsenter wurde.

Beim Familienmitglied gab es schon sehr früh Anzeichen dafür, dass hier etwas "anders" ist. Es wurden Beratungsstellen kontaktiert, es wurde dokumentiert und sich informiert. Alles deutete auf ADHS hin.

Je mehr ich mich mit der Situation und mit ADHS beschäftigte, desto mehr erkannte ich allerdings auch bei mir selbst wieder.

Immer mehr Puzzleteile passten zusammen.

 

Endlich eine Diagnostik – aber keine Diagnose

Ende 2025 bzw. Anfang 2026 überwies mich mein Hausarzt schließlich noch einmal zu einem Psychiater in meiner Stadt.

Ich bekam im Februar einen Termin und im März einen weiteren.

Die Termine dauerten jeweils ungefähr 15 Minuten.

Ich hatte im Vorfeld nochmals auf adxs.org den ausführlichen Selbsttest durchgeführt und akribisch Verhaltensbeispiele aus der Kindheit bis jetzt notiert und mit ChatGPT aufbereitet.

Obwohl die Fragebögen erneut eine eindeutige Symptomatik zeigten, bekam ich keine Diagnose, denn ich hatte meine Grundschulzeugnisse nicht gefunden und meine ganzen anderen Dokumente wurden keines Blickes gewürdigt.

 

Damit war die Sache für den Arzt erledigt und ich bekam den Rat, mich an die ADHS-Ambulanz der Uniklinik zu wenden.

 

Dort hatte ich zunächst Schwierigkeiten überhaupt einen Termin zu bekommen. Als ich endlich die Terminvergabe erreichte, waren bereits alle Termine vergeben.

 

Also ging die Suche weiter.

 

Ich fragte sogar bei meiner Krankenkasse nach, ob eine privat bezahlte Diagnostik möglich wäre. Das wurde abgelehnt.

 

Und dann hat es endlich geklappt

 

Über die Website adxs.org fand ich schließlich eine Praxis in Herbolzheim, die ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen anbietet.

 

Dort bekam ich letztendlich die Diagnose, auf die ich inzwischen seit Jahren gewartet hatte:

 

ADHS.

 

Und plötzlich war da nicht mehr nur der Verdacht.

 

Sondern eine Diagnose.

 

Parallel dazu hatte ich zwischenzeitlich auch noch einmal bei der ADHS-Ambulanz der Uniklinik angerufen und dort tatsächlich einen Termin für September bekommen.

 

Den brauche ich nun vielleicht gar nicht mehr – aber allein, dass ich überhaupt irgendwann mehrere Möglichkeiten gleichzeitig hatte, fühlt sich nach diesem langen Weg schon fast absurd an.

 

Und jetzt?

 

Jetzt beginnt der nächste Teil meiner Geschichte.

 

Ich starte mit einer medikamentösen Behandlung und werde hier dokumentieren, wie es mir damit tatsächlich geht.

 

Nicht als medizinischer Ratgeber.

 

Nicht mit dem Anspruch, zu erklären, wie ADHS bei anderen Menschen funktioniert.

 

Sondern einfach als meine persönliche Erfahrung.

 

Was verändert sich?

 

Was verändert sich nicht?

 

Und war die Diagnose am Ende wirklich die Erklärung für so vieles, was mich die letzten Jahre beschäftigt hat?

 

Das werde ich jetzt herausfinden.

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